Valonirexas

Werkzeuge für den Neustart

Werkzeuge für den Neustart
`

Ende letzten Monats haben wir Leute eingeladen, die alle etwas gemeinsam hatten: Sie hatten versucht, an sich zu arbeiten, es hatte nicht geklappt, und dann hatten sie es nochmal versucht. Keine Erfolgsgeschichten im klassischen Sinn, eher so: Das hier hat beim zweiten oder dritten Mal endlich gegriffen.

Die Veranstaltung war klein, etwa dreißig Leute, aber die Gespräche waren überraschend konkret. Weniger "man sollte" und mehr "ich habe das probiert, und hier ist, was passiert ist".

Apps und digitale Werkzeuge

Jemand hatte richtig gute Erfahrungen mit Structured gemacht, einer App, die deinen Tag in Zeitblöcke einteilt. Nicht als Produktivitätstool, sondern um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen, wo die Zeit hingeht. Nach zwei gescheiterten Versuchen mit Bullet Journaling war das anscheinend der Ansatz, der hängenblieb.

Eine andere Person schwört auf Finch, diese kleine App mit dem virtuellen Vogel. Klingt albern, aber die Gamification war anscheinend genau richtig dosiert. Nicht zu viel Druck, aber genug Struktur, um dranzubleiben. Vor allem nach einem Burnout, wo größere Systeme zu überfordernd waren.

Mehrere Leute erwähnten Insight Timer, aber nicht für geführte Meditationen. Stattdessen nutzen sie nur den Timer für selbstgesteuerte Reflexionszeiten. Zehn Minuten, kein Input, nur Nachdenken. Simpler geht es kaum, aber nach ihren Aussagen funktioniert es besser als komplexere Praktiken.

Analoge Methoden, die überrascht haben

Jemand aus der Runde führt ein "Muster-Notizbuch". Nicht für Gedanken oder Gefühle, sondern nur für wiederkehrende Situationen. Wenn er zum dritten Mal in derselben Falle tappt, kommt es rein. Nach sechs Monaten hatte er zwölf Einträge, aber die waren Gold wert, weil sie so spezifisch waren.

Eine Teilnehmerin hatte gute Erfahrungen mit Morning Pages gemacht, aber nur, nachdem sie die Regel gebrochen hat. Statt drei Seiten jeden Morgen schreibt sie eine halbe Seite, wann immer es passt. Die Perfektion loszulassen war anscheinend der Schlüssel.

Professionelle Unterstützung anders nutzen

Interessant war, wie Leute Therapie beim zweiten Anlauf anders angegangen sind. Einer hatte beim ersten Mal einfach den erstbesten Therapeuten genommen und gehofft, dass es passt. Beim zweiten Mal hat er fünf Erstgespräche gemacht und konkret nach Erfahrung mit bestimmten Methoden gefragt. EMDR wurde mehrfach erwähnt, besonders für Leute, bei denen Gesprächstherapie allein nicht durchdrang.

Jemand anders nutzt Coaching, aber in Drei-Monats-Blöcken statt als endloses Arrangement. Klares Ziel, fester Zeitraum, dann Pause zur Selbsteinschätzung. Das hat anscheinend besser funktioniert als der offene "wir sehen, wohin es geht"-Ansatz.

Bücher, die beim zweiten Lesen klickten

"Atomic Habits" wurde erwähnt, aber mit der Einschränkung, dass es erst beim Wiederlesen nach einem Jahr Sinn ergab. "Die Kunst des klaren Denkens" von Dobelli, als Reminder, dass viele Probleme Denkfehler sind, nicht Charakterschwächen. Und "Daring Greatly" von Brené Brown, wobei jemand meinte, man sollte die ersten drei Kapitel überspringen und direkt zu den praktischen Teilen gehen.

Was alle gemeinsam hatten: Sie haben aufgehört, nach dem perfekten System zu suchen, und angefangen, Sachen einfach lange genug auszuprobieren, um zu sehen, was klebt.

`

Wie findest du diesen Beitrag?